

Der in den Mistelbeeren bereits fertig angelegte Embryo kann nicht von selbst austreiben, sondern ist darauf angewiesen, dass die derbe Beerenhülle von einem Vogel aufgerissen wird. Mistel-Embryonen sind sehr langlebig und bleiben monatelang keimfähig – vorausgesetzt, sie erhalten genügend Licht.
Laubbaummisteln müssen nicht unbedingt auf derselben Baumart auskeimen: Apfelbaummisteln wachsen auch auf Pappeln, Ulmen, Weiden oder Birken – und umgekehrt.
Bei ihrer Vermehrung ist die Mistel vor allem auf zwei Vogelarten angewiesen: Mönchsgrasmücke und Misteldrossel.
Mistelsamen keimen nicht von selbst aus – der Keim kann nicht in Feuchtigkeit aufquellen oder die derbe Fruchthülle der Beeren durchdringen. Sie sind vielmehr darauf angewiesen, dass ein Vogel diese Barriere durchbricht. Vor allem zwei Vogelarten sind dafür Spezialisten: die Misteldrossel und die Mönchsgrasmücke – jede auf ihre Art:
Bei der Wahl ihrer Wirtsbäume sind die Mistelkeime von Nadelhölzern besonders wählerisch: Kiefernmisteln wachsen nur auf Kiefern, Tannenmisteln nur auf Tannen. Laubholzmisteln sind weniger anspruchsvoll. Sie keimen auch auf anderen Gehölzen als die Mutterpflanze.
Der Embryo ist äußerst robust: Er kann den ganzen Winter über auf einem Ast in seiner schleimig-klebrigen Hülle liegen bleiben, bis er – meist im April – austreibt.
Letzte Aktualisierung: 30. November 2015
Annette Bopp
Schneekristalle haben sich direkt an der Mistelbeere angelagert – dem Keim in der Mitte der Beere schadet die Kälte nicht.
Seltener Gast in Europa: Ein Seidenschwanz. Im Februar und März machen sich die Vögel oft in ganzen Schwärmen über die Mistelbeeren her.
Mistelbeeren gehören für die Misteldrossel zu den bevorzugten Leckerbissen im Winter. Mit ihrem Kot gelangen die unverdauten Reste und damit der neue Keim auf die Äste des Wirtsbaums.